Herz gezeigt – am Block gescheitert
In der 2. Volleyball Bundesliga Süd der Männer empfingen die L.E. Volleys den TV Rottenburg – allerdings nicht wie gewohnt in der Brüderhalle. Aufgrund der parallel stattfindenden Deutschen Meisterschaften der U18-Judoka wich man in die benachbarte Leplay-Halle aus. Vor knapp 200 Zuschauer:innen entwickelte sich dort eine intensive und phasenweise hochklassige Partie, die die Gäste aus Baden-Württemberg am Ende mit 3:1 (25:21, 22:25, 25:16, 25:23) für sich entschieden.
Blockstarke Gäste mit langem Atem
Der erste Satz begann ausgeglichen. Rottenburg eröffnete mit dem Aufschlag, ohne dass sich in den ersten Ballwechseln eine klare Dominanz abzeichnete. Leipzig startete ordentlich, hatte jedoch noch Abstimmungsprobleme und scheiterte mehrfach am hohen Doppelblock der Gäste. Trotz ihrer Überlegenheit im Block- und Zweikampfverhalten schlichen sich bei Rottenburg immer wieder vermeidbare Fehler ein. Beim Stand von 11:11 nach rund zehn Minuten nahm Rottenburgs Trainer Jan Scheuermann seine erste Auszeit – zunächst ohne durchschlagenden Effekt, denn Leipzig ging kurz darauf wieder in Führung.
Beide Teams agierten weiterhin auf Augenhöhe. Als sich Rottenburg leicht abzusetzen drohte, reagierte Leipzigs Coach Jan Pretscheck mit seiner ersten Auszeit. Die Gäste ließen sich davon jedoch nicht beeindrucken, hielten den Aufschlagdruck hoch und punkteten konsequent weiter. Auch der Wechsel von Mattheo Gladitz auf Paul Lohrisch brachte zunächst nicht die erhoffte Wende. Dass Leipzig den Anschluss nicht komplett verlor, lag auch an einzelnen Aufschlagfehlern der Rottenburger. Beim 19:23 zog Pretscheck seine zweite Auszeit, die sich mit einem folgenden Servicefehler der Gäste zumindest kurzfristig auszahlte. Dennoch ging der Satz mit 25:21 an Rottenburg.
Leipzigs Antwort mit Geduld und Mut
Im zweiten Durchgang änderten die Gäste personell nichts, Leipzig setzte dagegen verstärkt auf Erfahrung: Paul Lohrisch rückte in die Startformation und eröffnete den Satz. Die Hausherren wirkten nun gefestigter, reduzierten ihre Fehlerquote und hielten konstant eine knappe Führung von ein bis zwei Punkten. Rottenburg überzeugte weiterhin mit starker Feldabwehr und brandgefährlichem Mittelangriff, doch auch Leipzig setzte Akzente über die Mitte – insbesondere durch die Kombination Johannes Deutloff und Lennard Rosmy.
Ein Aufschlag-Ass von Paul Lohrisch zum 11:8 zwang Scheuermann früh zur Auszeit, um eine mögliche Serie zu unterbrechen. Zwar blieb die große Aufschlagserie aus, doch Leipzig behauptete seine Führung. Nach einem druckvollen Service von Yannick Siebeck und einem sehenswerten Hinterfeldangriff von Cedrik Moede stand es 17:14, woraufhin Rottenburg erneut eine Auszeit nahm.
Die L.E. Volleys blieben souverän, hielten den Drei-Punkte-Vorsprung und zeigten sich nervenstark. Trotz beeindruckender Defensive der Gäste nutzte Leipzig schließlich seinen fünften Satzball: Ein cleverer „Marktplatzleger“ von Paul Lohrisch besiegelte das 25:22 und den 1:1-Satzausgleich.
Rottenburg schaltet einen Gang höher
Nach der zehnminütigen Pause kehrten beide Teams unverändert aufs Feld zurück – mental jedoch mit Vorteilen für Rottenburg. Die Gäste schalteten einen Gang höher, dominierten weiterhin in der Abwehr und gingen schnell mit 6:1 in Führung. Leipzig sah sich früh zur Auszeit gezwungen.
Die Annahme wackelte nun, während der Rottenburger Block weiterhin stabil stand. Auch ein Zuspielerwechsel auf den 17-jährigen Julius Roscher brachte nicht die gewünschte Wende. Beim 6:13 folgte die zweite Leipziger Auszeit.
Die Hausherren kämpften, fanden jedoch kaum ein Mittel gegen den massiven Block der Gäste. Selbst gut vorbereitete Angriffe wurden immer wieder entschärft. Mit neun Satzbällen im Rücken ließ sich der TV Rottenburg den Durchgang nicht mehr nehmen und entschied ihn deutlich mit 25:16 für sich – mit der 2:1-Satzführung als logische Konsequenz.
Dramatische Crunchtime mit besserem Ende für die Gäste
Im vierten Satz gestaltete sich das Geschehen zunächst wieder ausgeglichener. Dennoch setzte sich Rottenburg leicht ab, da Leipzig in entscheidenden Nuancen die letzte Präzision fehlte. Die Stimmung in der Halle blieb trotz Hallen-DJ und Gästetrommel vergleichsweise ruhig.
Leipzigs emotionaler Antreiber Yannick Siebeck stemmte sich mit viel Körpersprache gegen den Rückstand und hielt sein Team im Spiel. In der Crunchtime wurde es nochmals spannend: Rottenburg erspielte sich drei Matchbälle, von denen Leipzig die ersten beiden abwehrte.
Vor dem entscheidenden Ballwechsel nahm Scheuermann eine letzte Auszeit, um Siebeck aus dem Aufschlagrhythmus zu bringen – mit Erfolg. Nach insgesamt rund anderthalb Stunden verwandelten die Gäste ihren dritten Matchball zum 25:23 und sicherten sich drei Punkte für die Heimreise in den Südwesten.
Bei der MVP-Ehrung erhielt Leipzigs Libero Rene Menzel die Silbermedaille, während Rottenburgs Diagonalangreifer Niklas Lichtenauer bereits seine achte Gold-Medaille in dieser Saison überreicht bekam.
Trotz der Niederlage müssen sich die L.E. Volleys nicht verstecken. Über weite Strecken boten sie dem favorisierten Gegner Paroli, scheiterten letztlich jedoch an der phänomenalen Abwehr- und Blockarbeit der Gäste. Mit weiterhin 32 Punkten verbleibt das Team von Trainer Pretscheck auf Rang sieben zwischen dem TSV Grafing und den BadenVolleys II. Letztere sind am kommenden Samstag der Gegner im letzten Auswärtsspiel der Saison – bis dahin gilt es, die Partie abzuhaken und den Blick nach vorne zu richten.
Beitrags- und Titelfotos: @i_Sebby